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Die neuesten Tagebucheinträge

Hier finden Sie eine Übersicht der neuesten privaten Tagebucheinträge.

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30.08.1957: 27. und letzter Tag in der DDR: Haldensleben, Lünen; Kontrolle und Spitzel
10 Uhr: Nachdem ich mich von meinen Verwandten verabschiedet habe, sitze ich im Zug, der mich nach Hause fahren soll. Uh, da ist ja auch schon die Kontrolle. Zunächst erscheint ein Herr, der mein Geld überprüft und der mir die Aufenthaltsgenehmigung abnimmt. Im Nebenabteil ist soeben ein Herr, was der von uns Reisenden will, weiß ich nicht. Der wird doch nicht etwa … Tatsächlich, es ist so, wie ich befürchtet habe. Dieser Kontrolleur lässt jeden Koffer aufmachen und durchwühlt alles. Hätte ich doch bloß nicht alles so offen in mein Reisetagebuch geschrieben. Hätte ich doch nicht die silberne Brotschale mitgenommen. Hätte, hätte … das ist nun leider zu spät. Eine heiße Blutwelle schießt mir ins Gesicht. Jetzt nur Ruhe bewahren, sonst merkt er erst recht, dass bei mir nicht alles stimmt. Ruhig … ruhig! Die Schweißperlen stehen mir auf der Stirn. Jetzt lässt er hinter mir die Koffer öffnen. Gleich wird er auch von mir verlangen, dass ich meinen Koffer öffne. Wenn er den Bericht in die Finger kriegt, geht’s mir schlecht… Puh, war das ein Aufregung! Mich hat er ganz einfach übersehen. Der Schreck sitzt mir noch in allen Gliedern. Jetzt kann ich ja etwas essen. Oh je, was ist denn das … der kommt schon wieder zurück … Ah, er ist gegangen! Man kommt doch aus der Angst nicht mehr ‘raus. Um mich zu beruhigen, ergreife ich die Zeitung, die jeder Reisende vorhin bekommen hat. In dieser Zeitung wird nur einmal gehetzt, und das ist immer. Jetzt sind wir in Wolfsburg, und ich habe wieder Appetit. Plötzlich kommt ein Herr, der verlangt alle Zeitungen zurück, die wir vorhin bekommen haben. Ehe ich mich versah, unterhielt ich mich mit einem „150-prozentigen Kommunisten“. Ich verstand ihn zunächst überhaupt nicht, als er sagte: „Es sollte der Bundesrepublik doch zu denken geben, dass täglich 25000 Menschen in die Ostzone strömen.“ […) Ich begriff aber auf einmal, wen ich vor mir hatte. Er fragte, wie es mir in der Ostzone gefallen habe und wo ich herkäme. Da habe ich gedacht: „Jetzt vorsichtig, der könnte für Onkel Rudolf und Opa gefährlich werden!“ Ich sagte also unbestimmt: „Ich war in der Nähe von Magdeburg.“ Dann entschuldigte ich mich und ging auf die Toilette. Als ich wiederkam, nannte mir der Herr einen Ort, zu dem er führe. Als wir nach Hannover kamen, verabschiedete er sich von mir und stieg aus. Das war gar nicht der Ort, den er mir genannt hatte. Als ich ihm das sagte, wurde er ganz verlegen und sagte, der Schaffner wüsste nicht, ob der Zug da hielt. Ich sagte nichts mehr, aber dachte: „Das müsste der Schaffner eigentlich wissen.“ Als wir an den Ort kamen, zu dem der Herr wollte, hielt der Zug. Nun wusste ich, dass er wahrscheinlich ein Spitzel gewesen war. … so nun bin ich zuhause. Es ist doch gut, wenn man mal irgendwo hinreist, wo es nicht so gut ist wie daheim. Dann ist man hinterher viel zufriedener.
Von prinz42 - 30.08.2010 0:28 Uhr
 
29.08.1957: 26. u. vorletzter Tag in der DDR, Haldensleben; Herr P. wehrt sich; Korruption, Elend und Glanz
Ein Kollege hat Onkel Rudi gesagt, dass der „Schriftsteller“ jemand von der „Nationalen Front“ sei und aus dem Westen komme. Onkel Rudi ist sogleich zu diesem Herrn hingegangen. Der soll einen gehörigen Schreck bekommen und tausend Entschuldigungen gemurmelt haben. Für Onkel Rudi war damit die Sache so gut wie abgeschlossen. In seiner Buchführung hatte er den Beweis, welche Ware ihm zugeteilt worden war. Und von den Ersatzteilen, die im Buch stehen, kann man kein Fahrrad zusammensetzen. Viele Geschäftsleute, die auch Fahrradteile verkaufen, haben sich beschwert, dass Kindermanns alle Ersatzteile zu verkaufen haben, und sie selbst nicht. Kunststück, wenn der Schwiegersohn von Kindermanns an der Einkaufszentrale für Fahrräder beschäftigt ist!!! Am Nachmittag ging ich zu einer alten Bekannten von uns. Als ich die Tür aufmachte, hätte ich beinahe geheult vor so viel Elend. Frl. H. bewohnt einen Raum, der schätzungsweise 3 m lang und 1,50 m breit ist. Sie hat auf beiden Augen den grauen Star und sieht deshalb fast nichts. Das Zimmerchen ist zu allem Übel feucht und aus der Wand treten frei die morschen Balken heraus. Die Möbel bestehen aus einem für das Zimmer viel zu hohen Schrank, einem furchtbar schmalen Herd, einem Regal und einem Bett. Frl. H. bekommt 103 DM Rente. Wenn sie sich etwas anschaffen will, muss sie monatelang sparen. Ihre wenige Habe verwahrt sie in dem Schrank und in kleinen Kästen unter dem Bett. Wenn ich dieses Elend hier betrachte, kann ich nur wünschen, dass es bis zur Wiedervereinigung nicht mehr lange dauert. Ich habe heute noch einen Abschiedsbesuch zu machen, der mich in ein ganz anderes Milieu führt als das bei Frl. H. In einer wunderbaren Villa wohnen frühere Bekannte. Herr W. scheint irgendetwas bei der Partei zu sein. Die wunderbaren Möbel, der riesige Garten, überhaupt alles lässt mich nicht empfinden, dass ich in der DDR bin.
Von prinz42 - 29.08.2010 0:38 Uhr
 
28.08.1957: 25. Tag in der DDR Haldensleben; Das Fahrrad, Herr P… wird an den Pranger gestellt
Als mein Onkel Rudi die heutige Tageszeitung gelesen hatte, war er zunächst tief erschüttert, und sah das Wasser bis zu seinem Halse reichen. In einem langen Zeitungsartikel, den ich wortgetreu abgeschrieben habe, über „Die Prognose des Herrn P.“ wird von einem anonymen Verfasser (Theophil) mein Onkel mit vollem Namen genannt und denunziert: „Stell dir vor mein lieber Theophil“, sagte neulich einer meiner Freunde, „was mir kürzlich passiert ist. Ich will … ich gehe – also du, das ist auf jeden Fall was für die Zeitung!“ „Na schieß schon los, erwiderte ich […] „Ich beschloss, mir ein neues Fahrrad zu kaufen. Allerdings nur in Einzelteilen. Du weißt ja, dass Basteln schon immer meine Schwäche war […] Recht zuversichtlich betrete ich den Laden des Herrn P… , um dort mein Begehr vorzutragen. ,Aber lieber Herr …‘ Die Miene des Ladeninhabers drückt Erstaunen und Bedauern zugleich aus. ,Ein Fahrrad wollen Sie sich zusammenbauen?‘ [… ] ‚Na ganz bestimmt dauert es zwei Jahre, bis Sie alles haben […] Es fehlt doch an allem. Mal gibt’s keine Speichen, das nächste Mal keine Felgen, dann wieder …!‘ Inzwischen bin ich wieder auf der Straße.“ „Na und ?“, fragte ich, „hat Herr P… recht behalten?“ „Nein, erwiderte mein Freund und lachte. Ob du es glaubst oder nicht, in einer Viertelstunde hatte ich mein Fahrrad zusammen. Bei Kindermann bekam ich alles […]“ Nun , was sagen Sie dazu Herr P…? Wie ist das mit den 2 Jahren? Wir haben zwar volles Verständnis für Sie als Kaufmann, der es als unangenehm empfindet, wenn die Lieferung an Fahrradersatzteilen mal stockt. Ist das aber ein Grund zum Miesmachen? Wir glauben nicht, zumal wir uns binnen kurzer Zeit ja vom Gegenteil Ihrer Prognose überzeugen konnten.“ [Auslassungen] Theophil Mein Onkel ging daraufhin zur Redaktion der Zeitung. Man wollte ihm aber nicht sagen, wer der Verfasser des Artikels war.
Von prinz42 - 28.08.2010 0:30 Uhr
 
27.08.1957: 24. Tag in der DDR: Haldensleben
Ich habe einige Zeitungsartikel ins Tagebuch eingeklebt, die zeigen, dass gegen die Westzone (Verfasser: gemeint ist die Bundesrepublik Deutschland) gehetzt wird. (…) Schade, dass ich nicht in den Wald gehen darf, denn dort sollen Russen in Erdhöhlen sein, und da habe ich ein bisschen Angst.
Von prinz42 - 27.08.2010 0:12 Uhr
 
26.08.1957: 23. Tag in der DDR, Haldensleben; Hetze
Im Radio und in der Zeitung wird sehr gegen die Westzone gehetzt.
Von prinz42 - 26.08.2010 0:59 Uhr
 
25.08.1957: 22. Tag in der DDR Magdeburg; Pionier musst du sein
Wenn man begabt ist und nur wenn man bei den Pionieren ist, kann man nach der Grundschule zur Oberschule gehen. Überbegabte können schon mit 12 Jahren zur Oberschule. 10 Uhr: Bei strahlendem Wetter gehen wir mit Tante Herta in die Stadt. Wir sehen mindestens 4 total zerbombte Kirchen, darunter auch die Johanniskirche, das wunderbare Theater und die Marieninsel. 15 Uhr: Wir sind auf dem Magdeburger Bahnhof. Nur das Notwendigste ist nach dem Ende des Krieges 1945 aufgebaut worden. Es geht zurück nach Haldensleben. Vom Zug aus sieht man richtig, wie flach der Boden ist. Nicht ein einziger Hügel ist zu sehen. Dafür ist der Boden sehr fruchtbar, ein richtiger Kirschenboden, so sagen die Leute hier. Wir fahren an riesigen Zuckerrübenfeldern vorbei. Ist doch komisch, dass es den Zucker immer noch auf Marken gibt oder zeitweise überhaupt nicht?
Von prinz42 - 25.08.2010 0:52 Uhr
 
24.08.1957: 21. Tag in der DDR, Magdeburg; Kinderferienlager
Heute sind wir zu Onkel Werner und Tante Herta gegangen. Onkel Werner ist jedes Jahr Lagerleiter im Kinderferienlager. Alle Kinder deren Eltern möglichst im Volkseigenen Betrieb (VEB) arbeiten, dürfen dort ihre Ferien verleben. Westdeutsche Kinder werden dort mit Freuden aufgenommen. Sie bekommen wöchentlich Taschengeld, Kleidung, Butter, Eis und alles, was sie haben möchten. Onkel Werner nimmt diese Westdeutschen nicht gerne mit, weil sie so bevorzugt werden. Er sagte zu mir, dass ich, wenn ich die DDR so durch den Kakao ziehe, wenigstens etwas Gutes schreiben solle.
Von prinz42 - 24.08.2010 0:45 Uhr
 
23.08.1957: 20. Tag in der DDR - Magdeburg; kein Kaffee
Heute habe ich einen Rheinländer getroffen. Er fragte mich: „Is das nich eine von de Volkspolizei?“ Ich kenne mich ja nun langsam aus in den vielen Uniformen, die hier getragen werden und sagte: „Ja, das ist richtig. Aber Sie sind doch Rheinländer, nicht wahr? Ich komme aus Lünen bei Dortmund!“ Wir schüttelten uns freundschaftlich die Hände. Im Augenblick ist hier kein Kaffee zu haben – alles wird nach Leipzig zur Messe geschickt.
Von prinz42 - 23.08.2010 1:08 Uhr
 
22.08.1957: 19. Tag in der DDR, Magdeburg; im Tierpark
Da das Wetter einigermaßen war, konnten wir mit Tante Annelie in den Tierpark gehen. Wir mussten mit der Straßenbahn erst durch die ganze Stadt fahren. Auf diesem Wege konnten wir die Wilhelm-Pieck-Allee, den Hasselbachplatz, den Dom und die Elbe sehen. Der Tierpark war zwar nicht sehr groß, aber doch sehr nett angelegt. Es gab Kamele, Affen, Braunbären, … und viele andere Tiere.
Von prinz42 - 22.08.2010 0:08 Uhr
 
21.08.1957: 18. Tag in der DDR; Micky Maus hat keine Chance!
8 Uhr: Ich fahre mit Karin von Haldensleben über Vahldorf, Groß Ammensleben, Meitzendorf, Barleben, Rothensee, Neustadt nach Magdeburg zu meiner Patentante Annelie. Ihr Mann, Onkel Heinz, arbeitet als Grafiker für den Eulenspiegel. Das ist eine SED-Zeitung. In der traumhaft schönen Wohnung fehlt nichts an modernen Geräten. Tante Annelie erzählte mir, dass bei ihr in der Nähe ein Herr gewohnt hätte, der vom Westen ausgerückt war, weil er dort irgendetwas verbrochen hatte, und dass er gleich zu einem hohen Posten der Partei befördert wurde. Wie es sich aber später rausstellte, schmuggelte er lauter optische Geräte in den Westen, bis er jetzt vor kurzem geschnappt wurde. Die Volkspolizei fand in seinem Keller ein ganzes Warenlager vor. Aber von all diesem steht nichts in der Zeitung. Die Micky-Maus-Hefte dürfen nicht gelesen werden. Am Fernsehapparat kann man das Programm von West- und Ostdeutschland einschalten. Es kommt häufig vor, dass im ostzonalen Fernsehsender alles ganz unklar erscheint oder dass überhaupt nichts zu sehen ist.
Von prinz42 - 21.08.2010 0:18 Uhr
 
20.08.1957: 17. Tag in der DDR: Haldensleben; Schikanen, Schikanen ...
Ich habe heute Kartoffeln eingekauft und sagte: „Ich hätte gerne Kartoffeln auf dreimal Abschnitt 5.“ Das waren dann zwanzig Pfund. Onkel Rudi handelt mit Fahrradersatzteilen, Taschenlampen und allem, was in der Ostzone handelbar ist. An manchen Sachen verdient er höchstens einen halben Pfennig. Wenn er aber sagt „Damit möchte ich nicht handeln“, antwortet man ihm „Gut, dann bekommen Sie die anderen Sachen eben nicht.“ Tante Elisabeth erzählte mir Folgendes: Als ich das letzte Mal euch in Lünen besuchte, saß ich bei der Rückfahrt mit einer Dame im Zug, die alles das bei sich hatte, was bei uns nicht gibt. Bei der Kontrolle sagte der Schaffner: „Das müssen Sie alles abgeben!“ „Das fällt mir überhaupt nicht ein. Seien Sie doch mal ehrlich und ziehen Sie Ihre Schuhe aus“, sagte die Frau. Der Kontrolleur wurde ganz rot im Gesicht und machte, dass er weiterkam. Der Frau aber ließ er den größten Teil von dem Inhalt ihrer Tasche. „Wenn doch jeder so mutig sein könnte wie diese Dame.“
Von prinz42 - 20.08.2010 0:22 Uhr
 
19.08.1957: 16. Tag in der DDR, Haldensleben: Milch und Brötchen
Ich bin heute wieder alleine einkaufen gegangen. Die Brötchen sind in 2 verschiedene Gruppen eingeteilt. Die gewöhnlich kleinen kosten 5 Pfennig. Die Tafelbrötchen (wie unsere), die es aber nur sonnabends gibt, kosten 8 Pfennig. Vollmilch bekommen nur Kleinkinder. Kinderreiche Familien verkaufen ihre Milchmarken, um das Geld für etwas Nötigeres zu verbrauchen. 1 l HO-Milch kostet 1,12 und 1 l Marken-Milch 26 Pfennig.
Von prinz42 - 19.08.2010 0:14 Uhr
 
18.08.1957: 15. Tag in der DDR: Haldensleben, in der Kirche
Es ist Sonntag und Karin und ich gingen in die St.-Marien-Kirche. Sie ist schätzungsweise 100 Jahre alt, weiß gekälkt und mit keinem Bild versehen. Die Decke ist aus Holz – schlichtbraun angestrichen. Die Kanzel ist mit wunderbaren Figuren ausgeschmückt. Der Altar ist ziemlich einfach und schlicht. Der Pfarrer predigte derart langweilig, dass mir beinahe die Augen zufielen. Wie ich nachher von Karin hörte, soll dieser Pfarrer noch am besten sprechen. Die Kollekte wurde in geflochtenen Rohrkörben eingesammelt. 17 Uhr: Wir gehen spazieren und kommen an der noch erhaltenen alten Stadtmauer vorbei.
Von prinz42 - 18.08.2010 0:13 Uhr
 
17.08.1957: 14. Tag in der DDR: Angst - Mohrrüben zählen
Haldensleben, 9 Uhr: Karin und ich gehen ins Wannenbad. Onkel Rudi erzählte mir später, wie es ihm ergangen ist, als er das letzte Mal zu uns in den Westen fuhr: Bei der Kontrolle an der Grenze kam ein Mann und machte einige Stichproben. Vor mir blieb er stehen und fragte: „Was sind Sie von Beruf?“ Ich: „Kaufmann.“ Er: „Was für ein Kaufmann?“ Ich: „Selbstständiger.“ Kaum hatte er das letzte Wort gehört, als er mir auch gleich befahl in eine Kabine zu gehen. Ich wurde bis aufs Hemd durchsucht und meine Koffer wurden durchwühlt. Als ich das von meinem Onkel hörte, dachte ich: „Hoffentlich klappt alles auf meiner Rückfahrt.“ Heute sind Karin und ich „Mohrrüben zählen“ gegangen, d. h. auf einem großen Acker haben wir jede zehnte Mohrrübe aus der Erde gezogen. Wem der Acker gehörte, weiß ich nicht, aber ich glaube einem Bauern von einem VEB.
Von prinz42 - 17.08.2010 0:33 Uhr
 
16.08.1957: Heute vor 53 Jahren: Heringsessen als Delikatesse
13. Tag in der DDR: Haldensleben Heute hatten wir Hering zu Mittag. Tante Elisabeth sagte: „Wir können froh sein, dass wir Heringe bekommen, es gibt nur alle 6 bis 8 Wochen welche.“ 15 Uhr: Ich gehe heute alleine einkaufen. Au Backe, hoffentlich werden von meinen Reisemarken nicht zu viele abgeschnitten!
Von prinz42 - 16.08.2010 0:07 Uhr
 
14.08.2010: Mariä Himmelfahrt -Heimatfest in Warendorf
Wie jedes Jahr findet zum Feiertag (nicht in NRW) Mariä Himmelfahrt das Heimatfest in Warendorf statt. Wenn Mariä Himmelfahrt auf einen Sonntag fällt, wie dieses Jahr, wird es am dem Samstag, den 14.8., gefeiert, ansonsten an dem Samstag danach. Laut unserem Bürgermeister ist dieses Tradionsfest einzigartig in Deutschland. Das Fest hat unverkennbar einen religiösen Ursprung. Es geht zurück auf eine wundersame Heilung im Jahr 1752. Schon damals wurden die Straßen festlich geschmückt und es fand eine Prozession statt. Heute schmücken 9 sogenannte Bögen die Straßen, liebevoll gepflegt und aufgebaut von den Bogengemeinschaften. Am Samstag wird die gesamte Innenstadt mit roten Bungen illuminiert und die Fenster mit Marien Bildern verziert. Als Bewohner der Innenstadt kann ich sagen, dass der Aufbau sehr viel Zeit und Aufwand kostet. Daher ist es manchmal umso ärgerlicher, wenn Häuser von Bewohner, die sich der Tradition nicht verbunden fühlen, nicht geschmückt werden und das schöne Bild somit stören. Man kann sich darauf verlassen, dass die Nachbarschaft an dem Samstag um ca. 10Uhr vor ihren Häusern steht und anfängt alles auf Hochglanz zu putzen und die Vorbereitungen für den Abend vornehmen. Ab ca. 21Uhr erstrahlt dann die Stadt und die Bögen im Schein von Bungen, Lämpchen und Kerzenschein. Ein echter Warendorfer ist stolz, wenn alles schön illuminiert ist und das Flanieren durch die Straßen erfreut sich auch reger Beliebtheit, da man viele Bekannte trifft, auch sowelche die weggezogen sind und doch für das Fest mal wieder vorbeischauen. Am Sonntag findet nach dem 9Uhr Hochamt die große Prozession statt. Heute begleitet vom Bischof Dr. Felix Genn aus Münster. Bei der Prozession laufen auch die Bürgerschützen mit, da diese am Sonntagabend mit dem Zapfenstreich ihr Schützenfest beginnen. D.h. am Montagnachmittag bleiben die Geschäfte in Warendorf zu, da man dann beim Schützenfest ist.
Von U. Stockmann - 15.08.2010 19:19 Uhr
 
15.08.1957: 12. Tag in der DDR Haldensleben
Ich habe heute Tomaten in einem Gemüsegeschäft geholt, das ich mir durch seine Aufschrift merken werde: „Die Politik der Verhandlungen ist stärker als die Politik der Gewalt.“ Tante Elisabeth hat mir heute etwas über die hiesigen Wahlen erzählt: „Man erhält einen Wahlzettel, auf dem immer nur 2 kommunistische Parteien stehen. Es ist also völlig gleich, was man wählt.“ Aber kann man nicht durch das Ganze einen Strich machen? „Nein, das wird leicht von den Spitzeln und Parteimenschen entdeckt und man kommt hinter schwedische Gardinen.“
Von prinz42 - 03.08.2010 1:00 Uhr
 
14.08.1957: 11. Tag in der DDR Haldensleben
11 Uhr: Karin und ich wollen Birnen kaufen. Im Gemüsegeschäft herrscht ein ziemliches Gedränge, denn heute gibt es Gurken. Plötzlich entdecke ich Tante Lotte ganz vorn an der Theke. Ich reiße Karin das Geld aus der Tasche und quetsche mich so gut es geht durch die Menschenmenge. Tante Lotte nimmt das Geld in Empfang und gibt mir das Zeichen, ich soll machen, dass ich rauskomme. Tja, das ist gar nicht so einfach! Die Menschen sind wütend auf mich und schimpfen mich aus. Einige ballen sogar die Hände. Uh, was ist das ungemütlich! Als ich draußen ankomme, atme ich befreit auf.
Von prinz42 - 03.08.2010 0:56 Uhr
 
13.08.1957: 10. Tag in der DDR Haldensleben
11 Uhr: Karin und ich laufen in der ganzen Stadt umher und fragen, ob es Zwiebeln zu kaufen gibt. Umsonst, nirgends kann man auch nur eine Zwiebel kaufen. Da es auch keine Tomaten gibt, fahren wir mit Fahrrädern in eine entfernte Gärtnerei und erhalten 2 Pfund Tomaten. Zwiebeln haben auch sie nicht. 15 Uhr: Karin und ich gehen an die Ohre und baden dort. Das Wasser reicht mir nur bis an die Hüften, daher fahren hier außer Segelbooten keine Schiffe. 20 Uhr: Wir gehen in den Zirkus Barlay, der z. Z. hier gastiert. Er gehört zur VEB und war wirklich gut.
Von prinz42 - 03.08.2010 0:44 Uhr
 
12.08.1957: 9. Tag in der DDR Haldensleben
14 Uhr: Wir waren mit Tante Lotte, Onkel Rudi und Opa im Café Waldfrieden. Auf dem Weg dahin sahen wir bei einer Holzhandlung ein Schild „Proletarier aller Welt vereinigt euch“. Wir sahen Russen, die mit ihren Kindern spielten und auch mit fremden Kindern Motorrad fuhren. Wir kamen auch an der Kommandantur vorbei, die das schönste Haus Haldenlebens ist. Aber man darf es nicht zeichnen.
Von prinz42 - 02.08.2010 0:27 Uhr
 
18.07.2010: Mein Tagebucheintrag
Mit meinen beiden Tanzgruppen - den Wirbelweibern und dem Stamm Khamsin war ich eine der Tischbesetzerinnen. Katrin von den Wirbelweibern ist auch auf dem Foto zu7 sehen. Uns allen hat die Veranstaltung gut gefallen, wir haben nicht nur getanzt und fanden dafür viele Zuschauer und Applaus, wir haben auch Minikurse gegeben und dafür Mittänzerinnen gefunden, denen es auch Spaß machte. Mir wäre es auch lieb, wenn diese Veranstaltung einmalig bliebe. Einmal den Aufwand an Zeit, Geld und Engagement von Helfern ist löblich, mehrfach unvertretbar. Und was ist, wenn dies Idee zum komerziellen Event mutiert und dann vielleicht irgendwann so endet wie die Loveparade? Besonders dieser Kontrast zwischen dem Ausgang der beiden Veranstaltungen macht mir zu schaffen. Wie sehr hätte ich es ALLEN in Duisburg gegönnt einen so schönen Tag wie das Stillleben zu erhalten.
Von Regina Steiner - 27.07.2010 18:29 Uhr
 
18.07.2010: Still-Leben Ruhrschnellweg/A 40 - Ruhr 2010
Die Aktion Still-Leben Ruhrschnellweg A 40 ist/war ein unvergesslicher Höhepunkt der Kulturhauptstadt Ruhrgebiet 2010. Auf unserer Hauptverkehrsader, wo nonstop der Verkehr pulsiert oder der Verkehr -wie alle Eingeweihten und Leidgeprüften wissen- stillsteht, wo der Asphalt sich von Stadt zu Stadt schlängelt und Autoabgase dominieren, dort herrschte am 18.07.2010 als Kontrapunkt eine ganz und gar andere Atmosphäre. Wir vom Ruhrgebiet sind gekommen, wir Menschen und haben gezeigt, wie wir zu feiern verstehen - städteübergreifend. Wir haben die Autobahn verwandelt in ein fröhlichen Menschenband. Kreativität und Fantasie standen ganz oben und die Sonne lachte dazu - ideale Wetterbedingungen, wie maßgeschneidert. Der Anblick von den Brücken auf die Straße war unbeschreiblich - alle Fahrbahnen belegt mit Menschen, die Auffahrten voll. Nein, da gab es keinen trennenden Mittelstreifen mehr, auch keine Randstreifen, alles wurde in Beschlag genommen. Sonnenschirme unter den Verkehrsschildern zur A 45, man rieb sich die Augen. Das war kein Strand am Mittelmeer oder in südlichen Gefilden, das war die Fußgängerspur und Tischreihe auf der A 40. So fröhlich bunt leuchteten sie unter strahlend blauem Wolkenhimmel. Da wurde geplaudert, gelacht, musiziert, Kunststücke gezeigt, Geburtstage gefeiert und sich über alle Fahrbahnen ausgetauscht. Kulturübergreifend, europäisch - asiatisch, menschlich. Stau - ja, das ist/war ja bekannt als Autofahrer dort und prompt steckte man auch als Mobiler mittendrin. Aber die Verkehrsnachrichten kamen per Handy oder von Mund zu Mund - da vorne wird es besser, tröstet euch .. oder man wanderte einfach über die Randstreifen davon, ein Fahrrad hebt sich schnell hoch. Stau - während auf der einen Seite eine Meditationsliege präsentiert wird und auf der anderen Seite ein Mobilitätsnachbar sein Fass hinter sich herzieht, gefüllt mit Getränken und Frikadellen. Da tönte z.B. die Titelmelodie von Rocky, während man vorwärtsrollte und die vielen Gefährte bewunderte, die unterwegs waren. Mitnichten nur Fahrräder, die Fantasie kannte keine Grenzen. Alles, was irgendwie nur rollen konnte, war im Einsatz, darunter z.B. ein Fahrrad, das einen bequemen Liegenstuhl auf einer rollenden Plattform hinter sich her zog und das alles geschmückt mit Luftballons. Man pausierte, wo man ein Plätzchen fand, den Fahreinsatz mal eben irgendwo abgestellt und schwupp über die Planken und den Mittelstreifen. Die vielen ganz individuellen Eindrücke, die man sammeln konnte, sind gar nicht aufzuzählen. Da spielte z.B. ein kleines Kind ganz selbstvergessen mit Kegeln auf der Fahrbahn - ein ganz großer Star - Kinder auf der Autobahn, die Autobahn ein Spielplatz, was für ein Gegensatz, was für eine Symbolik. Die Kulturhauptstadt Ruhrgebiet hat gefeiert - ihren Lebensraum, ihre Menschen, ihre Eigenart/Charakteristik. Es war ein einzigartiger Erfolg. Stimmen werden laut, man solle es wiederholen, regelmäßig. Doch vielleicht sollte man bedenken, dass etwas Einzigartiges dann zu gewohnter Routine werden könnte. Dass sich eine Idee abnutzt, allzu oft wiederholt. Und wenn Wiederholung, dann anders, sei es als nächtliches Lichterband mit Fackeln und Kerzenbeleuchtung z.B. oder als größte Musikmeile oder ähnlich. Letztlich geht ein ganz großer, herzlicher Dank an all die vielen Helfer und Helferinnen, die es möglich gemacht haben, dass so eine Aktion durchgeführt werden konnte. Und natürlich auch an die Initiatoren und Sponsoren.
Von Rejabur - 22.07.2010 14:54 Uhr
 
11.08.1957: Besuch in der DDR: 8. Tag
Haldensleben, 11.8. 1957: 10 Uhr: Das Gas ist alle. Ich schimpfe auf das Gaswerk, werde aber von meiner Tante ausgelacht. „Hach, Mädchen, bei uns gibt es doch nur Gas in Flaschen!“ Der große Freund Deutschlands Nikita S. Chruschtschow kommt heute in unsere Nachbarstadt Magdeburg.
Von prinz42 - 01.06.2010 0:53 Uhr
 
10.08.1957: Besuch in der DDR: 7. Tag
Haldensleben, Samstag, 10.8. 1957: 3 Uhr: Karin und ich waren im Kino und sahen den Film „Schatten am Pier“. Der Film stand unter starkem politischen Einfluss. Die Schauspieler waren Russen; der Text wurde von Deutschen gesprochen. Für „Westzonale“ gibt es nur Butter und keine Margarine. Die jungen Mädchen tragen schon mit 13 Jahren Dauerkrause (fürchterlich). Es begegnet uns ein junger Mann und ich wusste schon, als er hinter uns herging, dass er aus dem „goldenen Westen“ kam - … denn er pfiff Rock ’n Roll. In der Zeitung kann man alles Mögliche lesen, nur nicht von Morden und Diebstählen, obwohl ich davon überzeugt bin, dass da auch allerhand passiert.
Von prinz42 - 01.06.2010 0:09 Uhr
 
29.05.2010: NachtSchachtZeichen Hoeschpark
Die Aktion SchachtZeichen im Rahmen der Ruhr2010 finde ich faszinierend, da mir die Zechengeschichte der unmittelbaren Umgebung bislang nicht bewußt war. Deshalb habe ich mich auch trotz ESC aufgemacht, das SchachtZeichen im Hoschpark zu besuchen. Dort befand sich wohl die Zeche Kaiserstuhl II. Ich hatte fast damit gerechnet aber es dann doch nicht erwartet, abgesenen von den Betreuern und ein paar im Park "abhängenden" Jugendlichen war ich alleine mit dem gelben Ballon. Das gab mir andererseits Gelegenheit, ein paar Fotos und Videos vom NachtSchachtZeichen anzufertigen. Durch die Ruhe, die nur von Gesprächsfetzen der Jugendlichen unterbrochen wurde, ergab sich eine interessante Stimmung unter dem gelben Ballon.
Von Sebastian Bremicker - 30.05.2010 11:14 Uhr
 
23.05.2010: Mein Tagebucheintrag
Im Rahmen der Ruhrkultur- Veranstaltung habe ich den Hammerkopfturm an der Bodelschwingher-Str. besucht. Hier wurde der gelbe Helium Ballon in besonderer Weise und ohne viel Rummel im Zusammenhang auch mit der Ausstellung heimischer Künstler (Rapunzel) gezeigt. Eine ganz tolle Darstellung, die den Bürgern unserer schönen Region wohl nie mehr gezeigt wird.
Von Gukschi - 26.05.2010 11:17 Uhr
 
22.05.2010: Mein Tagebucheintrag
SchachtZeichen am 22.05.2010 Als Gedenken der Zechen im Ruhrgebiet. Welche Eltern und Grosseltern waren seinerzeit nicht auf eine Zeche tätig ? Den Pütt Männern gebührt der Dank. Alle Bergleute können nun noch einmal den Kindern, Jugendlichen, Nachgeborenen aufzeigen und erzählen, was das Ruhrgebiet zu dem Siedlungsraum gemacht hat, in dem die jungen Menschen heute leben. Jedes SchachtZeichen steht für ein ehemaliges Zechengelände.
Von wuschel09 - 26.05.2010 2:31 Uhr
 
23.05.2010: Mein Tagebucheintrag
Am Pfingstsonntag habe ich die Martin Luther Kirche in Werne besucht, um mir den Life Line Gospel Chor anzusehen, der im Rahmen des " Day of Song " ein Konzert gegeben hat. Der Chor unter Leiterin Dagmar Borowski - Wensing bot ein buntes Programm von Gospel , über kirchlkiche Musik bis hin zu bekannten Melodien aus dem Musical " West Side Story " mit Special Guest Frank Koch. Dieser Chor hat es verstanden, die bis auf den letzten Platz gefüllte Kirche mit Begeisterung zu füllen. Die Resonanz im Publikum war enorm. Sie haben bewießen, dass Kirche durchaus Spaß machen kann. Es bleibt zu wünschen, dass dies keine Eintagsfliege bleibt.
Von sky - 24.05.2010 21:41 Uhr
 
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Was war am 09.09.1970

Der Weltsicherheitsrat appelliert an die palästinensischen Freischärler, die am 6. und 9. September entführten über 300 Flugpassagiere freizulassen.

Bei einem vertraulichen Gespräch zwischen Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) und dem CDU/CSU-Fraktionschef Rainer Candidus Barzel über die Ostpolitik...

Vor 50 Jahren

Was war am 09.09.1960

Die DDR verhängt für Bürger aus der Bundesrepublik eine unbefristete Einreisesperre nach Berlin (Ost). Besuche sind nur noch mit einer...

Auf der Insel Man geht der Jahreskongress der britischen Gewerkschaften (Trade Union Congress) nach viertägiger Dauer zu Ende. In einer Resolution...

Vor 60 Jahren

Was war am 09.09.1950

Eine wesentliche Verstärkung der US-amerikanischen Truppen in Europa ordnet Präsident Harry S. Truman an.

50 Todesopfer und 50 Verletzte fordert ein Eisenbahnunglück in Ostpakistan, als ein Expreßzug auf einer Brücke entgleist und in einen Fluß stürzt.

Vor 70 Jahren

Was war am 09.09.1940

Erstmals greifen deutsche Fernkampfbatterien in die Kämpfe am Ärmelkanal ein und beschießen einen britischen Geleitzug.

Generalfeldmarschall Walter von Brauchitsch, Oberbefehlshaber des Heeres, trifft im Rahmen des Wehrwirtschaftsstabs "England" erste Entscheidungen...

Vor 80 Jahren

Was war am 09.09.1930

Das britische Arbeitsministerium gibt die Zahl der Arbeitslosen mit 2 060 444 an. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Anstieg um 44%.

Das Berliner Arbeitsgericht stellt in einem Urteil fest, dass eine Schwangerschaft kein Entlassungsgrund sei. Ein Berliner Unternehmen, das eine...

Vor 90 Jahren

Was war am 09.09.1920

In der schwedischen Hauptstadt Stockholm wird ein vom Völkerbundrat in Auftrag gegebenes Gutachten zur sog. Alandfrage bekannt. Danach soll die...

Vor 100 Jahren

Was war am 09.09.1910

An der Grenze von West- und Ostpreußen südlich vom Frischen Haff beginnen zweitägige Kaisermanöver. Erstmals kommen auch Luftschiffe zum Einsatz.

In Innsbruck wird der allgemeine österreichische Katholikentag eröffnet. Auf der bis zum 13. September dauernden Veranstaltung beklagt der...